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Käufer & Struktur · 6 Minuten Lesezeit

Wer kauft mittelständische Unternehmen?

Strategen, Beteiligungsgesellschaften, Family Offices und Einzelkäufer im Vergleich: Was sie suchen, wie sie zahlen und welche Deal-Strukturen daraus folgen.

Die Frage, wer für das eigene Unternehmen als Käufer infrage kommt, wird von Inhabern regelmäßig zu eng beantwortet. Die übliche Vermutung lautet: der größte Wettbewerber. Tatsächlich kommt der Käufer in der Mehrzahl der Fälle von woanders, oft aus einem angrenzenden Segment, einer anderen Region oder einer Gruppe, die im eigenen Markt gar nicht sichtbar ist.

Dieser Artikel beschreibt die vier Käufertypen, ihre Logik und die Deal-Strukturen, die typischerweise daraus folgen.

Die vier Käufergruppen im Mittelstand
Die vier Käufergruppen im Mittelstand

Typ 1: Strategische Käufer

Welcher Käufertyp passt zu welchem Ziel
Welcher Käufertyp passt zu welchem Ziel

Unternehmen aus derselben oder einer angrenzenden Branche. Sie kaufen, um zu wachsen, ohne selbst aufbauen zu müssen.

Was sie suchen: Marktanteile, Zugang zu Kunden, eine Region, in der sie noch nicht vertreten sind, Technologie oder Produkte, die sie sonst entwickeln müssten, Kapazität, oder schlicht Fachpersonal, das am Markt nicht verfügbar ist.

Wie sie rechnen: Ein strategischer Käufer kann Synergien realisieren, also Kosten sparen oder Umsätze heben, die ohne den Zusammenschluss nicht entstünden. Deshalb kann er häufig mehr zahlen als ein reiner Finanzinvestor. Wie viel davon beim Verkäufer ankommt, hängt allerdings davon ab, wie stark er die Synergien in seinem Angebot berücksichtigt.

Was das für den Verkäufer bedeutet: In der Regel eine vollständige Übernahme und die Integration in bestehende Strukturen. Die Selbstständigkeit des Unternehmens endet mittelfristig, Marken werden zusammengeführt, Verwaltungsfunktionen zentralisiert. Für Inhaber, denen die Fortführung ihres Lebenswerks unter eigenem Namen wichtig ist, kann das ein Thema sein. Für andere ist es der sauberste Ausstieg.

Die Prüfungsphase ist bei strategischen Käufern oft anspruchsvoller, weil sie das Geschäft im Detail verstehen und gezielt fragen. Gleichzeitig sind sie diejenigen, bei denen Vertraulichkeit am wichtigsten ist, weil ihre Informationen auch ohne Transaktion einen Wert haben.

Typ 2: Beteiligungsgesellschaften

Gesellschaften, die Kapital von Investoren einsammeln und damit Unternehmen erwerben, entwickeln und nach einigen Jahren weiterverkaufen. Im Fachjargon Private Equity.

Was sie suchen: Unternehmen mit stabilen Erträgen, erkennbarem Entwicklungspotenzial und einem Management, das bleibt oder ersetzbar ist. Die meisten Fonds haben klare Kriterien: eine Mindestgröße beim Ergebnis, bestimmte Branchen, eine Mehrheitsbeteiligung. Unterhalb einer Ergebnisgröße von etwa einer Million Euro wird der Kreis dünn, weil der Aufwand pro Transaktion weitgehend unabhängig von der Größe ist.

Wie sie rechnen: Sie kalkulieren mit einer Rendite über eine Haltedauer von typischerweise vier bis sieben Jahren. Ein Teil des Kaufpreises wird fremdfinanziert. Die Rendite entsteht aus drei Quellen: der Verbesserung des Ergebnisses, der Tilgung der Finanzierung und im günstigen Fall einem höheren Faktor beim Weiterverkauf.

Was das für den Verkäufer bedeutet: Beteiligungsgesellschaften bieten häufig flexiblere Strukturen als strategische Käufer. Der Verkäufer kann einen Anteil behalten und beim späteren Weiterverkauf ein zweites Mal profitieren. Diese Rückbeteiligung ist im Mittelstand verbreitet und für Inhaber interessant, die noch nicht vollständig aussteigen wollen. Auch eine schrittweise Übergabe über mehrere Jahre lässt sich mit diesem Käufertyp meist gut abbilden.

Ein häufiges Modell ist der Aufbau einer Unternehmensgruppe durch Zukäufe, im Fachjargon Buy-and-Build. Das erste erworbene Unternehmen wird zur Plattform, weitere kommen als Ergänzung hinzu. Für den Verkäufer macht es einen Unterschied, welche Rolle sein Unternehmen dabei spielt: Als Plattform bleibt die Struktur weitgehend erhalten und das Management gewinnt an Verantwortung. Als Ergänzung wird stärker integriert.

Typ 3: Family Offices und Beteiligungsholdings

Vermögensverwaltungen einzelner Unternehmerfamilien oder Holdinggesellschaften, die Beteiligungen langfristig halten.

Was sie suchen: solide, verständliche Geschäftsmodelle mit verlässlichen Erträgen. Weniger Wachstumsfantasie, mehr Beständigkeit.

Wie sie rechnen: konservativer und mit weniger Fremdfinanzierung. Der wesentliche Unterschied liegt im Zeithorizont. Es gibt keinen Fonds mit begrenzter Laufzeit, also auch keinen Zwang zum Weiterverkauf nach einigen Jahren.

Was das für den Verkäufer bedeutet: Für Inhaber, denen die Kontinuität des Unternehmens wichtig ist, ist dieser Käufertyp oft die angenehmste Lösung. Der Preis liegt im Schnitt etwas unter dem, was ein strategischer Käufer mit Synergien zahlen würde. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Unternehmen in zehn Jahren noch als eigenständige Einheit existiert.

Die Herausforderung: Family Offices sind schwer zu finden. Sie treten selten öffentlich auf und haben oft sehr spezifische Kriterien. Der Zugang läuft praktisch ausschließlich über Netzwerke.

Typ 4: Einzelpersonen mit Investorenunterstützung

Erfahrene Führungskräfte, die ein Unternehmen erwerben und selbst leiten wollen. Wenn sie von außen kommen, spricht man von einem Management Buy-in. Eine strukturierte Variante davon sind Suchfonds, bei denen Investoren einer Person die Suche nach einem geeigneten Unternehmen finanzieren und den späteren Erwerb mittragen.

Was sie suchen: Unternehmen mit stabilem Geschäft in überschaubarer Größe, die sie operativ führen können. Die typische Zielgröße liegt beim Ergebnis unter der Schwelle, ab der Beteiligungsgesellschaften einsteigen.

Was das für den Verkäufer bedeutet: Diese Käufer bringen unternehmerisches Engagement mit und sind bereit, das Geschäft selbst zu führen. Der begrenzende Faktor ist fast immer die Finanzierung. Häufig ist ein Verkäuferdarlehen Teil der Struktur, bei dem ein Teil des Kaufpreises gestundet und über mehrere Jahre aus dem laufenden Geschäft zurückgezahlt wird. Das bedeutet für den Verkäufer, dass er einen Teil des Risikos weiter trägt.

Für Unternehmen, die für Beteiligungsgesellschaften zu klein und für strategische Käufer nicht interessant genug sind, ist dies oft der realistischste Weg.

Welcher Typ passt zu welchem Ziel?

Warum man nicht zu früh festlegen sollte

Viele Inhaber schließen einen Käufertyp aus, bevor sie ein Angebot gesehen haben. Das ist verständlich, kostet aber häufig Geld und Optionen. Ein Finanzinvestor, den man sich als anonymen Fonds vorgestellt hat, kann sich als Partner erweisen, der genau die Wachstumsfinanzierung mitbringt, die dem Unternehmen fehlt. Ein Wettbewerber, den man aus Prinzip nicht ansprechen wollte, kann derjenige sein, für den die Belegschaft die beste Perspektive hat.

Sinnvoller ist, den Kreis zunächst offen zu halten, die Vertraulichkeit über einen gestaffelten Ablauf zu sichern und erst anhand konkreter Angebote zu entscheiden.

Häufige Fragen

Wer zahlt am meisten? Tendenziell strategische Käufer, weil sie Synergien realisieren können. Es gibt aber Ausnahmen, etwa wenn eine Beteiligungsgesellschaft gezielt eine Plattform in einem Segment sucht.

Mein Unternehmen ist klein. Interessiert das überhaupt jemanden? Ja. Unterhalb der Schwellen institutioneller Investoren ist der Markt sogar aktiv, weil viele Führungskräfte und kleinere Gruppen nach Übernahmen suchen. Der Käufertyp ist ein anderer, der Markt ist vorhanden.

Kann ich Wettbewerber ausschließen? Ja. Eine gestaffelte Offenlegung sensibler Informationen ist meist die bessere Lösung als ein pauschaler Ausschluss, weil sie den Kreis der Interessenten nicht verkleinert.

Was ist eine Rückbeteiligung? Der Verkäufer verkauft die Mehrheit und behält einen Anteil, meist zwischen 10 und 30 Prozent. Beim späteren Weiterverkauf durch den Investor wird dieser Anteil mitverkauft. Wenn die Entwicklung gut verläuft, kann dieser zweite Betrag erheblich sein.

Nächster Schritt

Eine erste Wertspanne bekommen Sie in zwei Minuten im Rechner. Für alles Weitere reicht ein Gespräch.