Wer sein Unternehmen verkaufen will, steht früh vor einer Grundsatzentscheidung: Inserat auf einer Unternehmensbörse oder ein begleiteter Prozess über einen M&A-Berater. Die Frage ist berechtigt, denn die Kostenunterschiede sind erheblich.
Wir sind in dieser Frage nicht neutral, und das sollten Sie beim Lesen wissen. Deshalb hier vor allem das, was tatsächlich verglichen werden kann, einschließlich der Fälle, in denen eine Börse die bessere Wahl ist.
Was eine Unternehmensbörse ist

Eine Plattform, auf der Verkaufsangebote und Kaufgesuche eingestellt werden. Im deutschsprachigen Raum sind die bekanntesten nexxt-change, betrieben von der KfW und den Kammern, die Deutsche Unternehmerbörse DUB und Käuferportal. Dazu kommt Dealsuite, das anders funktioniert, weil es nicht öffentlich ist, sondern Berater und Investoren untereinander vernetzt.
Sie stellen ein anonymes Kurzprofil ein und warten auf Anfragen. Die Kosten liegen zwischen null und einigen hundert Euro im Monat.
Der Unterschied im Ablauf
Eine Börse ist ein Schaufenster. Wer vorbeikommt, sieht Ihr Angebot. Ein begleiteter Prozess arbeitet umgekehrt: Es wird bestimmt, welche Käufer inhaltlich passen, und diese werden gezielt angesprochen, meist parallel und im gleichen Takt.
Daraus ergeben sich drei praktische Unterschiede.
Wer sich meldet. Auf einer öffentlichen Börse meldet sich, wer die Anzeige findet. Das ist ein anderer Kreis als der, den man erhält, wenn gezielt Unternehmen und Investoren angesprochen werden, die in diesem Segment bereits gekauft haben. Größere strategische Erwerber und institutionelle Investoren suchen selten auf Portalen.
Ob es eine zweite Einschätzung gibt. Ein Preis ist eine Einschätzung. Liegt nur eine vor, gibt es keinen Maßstab. Werden mehrere Interessenten parallel geführt, entsteht eine belastbare Marktindikation, von der beide Seiten profitieren: Der Verkäufer weiß, wo er steht, der Käufer weiß, dass er nicht über dem Markt liegt.
Wer die Arbeit macht. Auf einer Börse bleiben Aufbereitung der Zahlen, Unterlagen, Gespräche, Prüfung und Vertragsverhandlung bei Ihnen, neben dem Tagesgeschäft. Das ist der Punkt, an dem Verkäufer die Belastung am häufigsten unterschätzen.
Die Kosten
Der Vergleich ist damit im Kern eine Rechnung: Ein Erfolgshonorar lohnt sich, wenn der begleitete Prozess einen ausreichend höheren Preis oder eine ausreichend höhere Abschlusssicherheit erzeugt. Bei kleinen Transaktionen ist das schwer darstellbar, bei größeren regelmäßig.
Belastbare Vergleichszahlen dazu gibt es nicht, und wir würden auch keine nennen. Die kursierenden Prozentangaben aus dem Beratermarketing sind nicht belegt.
Wann die Börse der richtige Weg ist
Bei einem bereinigten Ergebnis unterhalb von etwa dreihunderttausend Euro trägt ein begleiteter Prozess für beide Seiten nicht. Hier sind nexxt-change, die Kammern, der Steuerberater und das eigene Umfeld die besseren Wege.
Ebenso, wenn bereits ein Käufer feststeht, etwa ein Mitarbeiter oder ein Wettbewerber, mit dem seit Jahren Kontakt besteht. Dann geht es nicht mehr um die Suche, sondern um Bewertung und Vertrag, und dafür braucht es keinen vollständigen Prozess, sondern punktuelle Unterstützung.
Der dritte Weg
Beides schließt sich nicht aus. Es ist möglich, ein Inserat zu schalten und parallel gezielt anzusprechen. Und es ist möglich, einen Berater nur für einzelne Abschnitte zu beauftragen, etwa für die Aufbereitung der Zahlen und die Vertragsverhandlung, während die Käufersuche über eigene Kontakte läuft.
Häufige Fragen
Ist nexxt-change kostenlos? Die Nutzung ist für Inserierende kostenfrei. Die Betreuung erfolgt über regionale Ansprechpartner bei Kammern und Verbänden.
Wird mein Inserat mit Namen veröffentlicht? Nein, Inserate sind anonymisiert. Bei kleinen Marktsegmenten lässt sich aus Branche, Region und Größenangabe allerdings häufig auf das Unternehmen schließen. Das ist der häufigste Grund, warum Inhaber ein Inserat zurückziehen.
Kann ich zuerst die Börse probieren und später wechseln? Ja, mit einer Einschränkung. Ein Unternehmen, das seit zwei Jahren sichtbar inseriert ist, wird von professionellen Käufern anders wahrgenommen. Eine begrenzte Laufzeit ist deshalb sinnvoll.
Fazit
Die Entscheidung hängt weniger an der Frage, was besser ist, als an der Größenordnung und daran, ob es bereits einen Käufer gibt. Unterhalb der genannten Schwelle ist die Börse der richtige Weg, darüber wird die Rechnung schnell eindeutig, weil die Preisunterschiede zwischen einer einzelnen Einschätzung und mehreren parallel geführten Gesprächen die Honorare übersteigen.
Was ein begleiteter Prozess kostet und leistet, beschreibt der Beitrag zu M&A-Beratern und Kosten. Wie die Käuferansprache abläuft, steht im Artikel zur Käufersuche. Eine erste Bandbreite für Ihr Unternehmen liefert der Unternehmenswertrechner.
Nächster Schritt
Eine erste Wertspanne bekommen Sie in zwei Minuten im Rechner. Für alles Weitere reicht ein Gespräch.



