Nicht jedes Technologieunternehmen ist ein Softwareunternehmen. Wer vernetzte Geräte baut, industrielle Systeme liefert, Medizintechnik entwickelt oder Spezialhardware herstellt, bewegt sich in einem eigenen Bewertungsumfeld. Es liegt zwischen dem klassischen Maschinenbau und dem reinen Softwaregeschäft, und wo genau, hängt vom Anteil des Geschäfts ab, der sich wiederholt.

Was der Hardwareanteil mit der Bewertung macht
Hardware bindet Kapital. Vorräte, Werkzeuge, Fertigungsanlagen und Vorfinanzierung von Bauteilen erhöhen das gebundene Umlaufvermögen und damit den Abzug, der zwischen Unternehmenswert und tatsächlicher Auszahlung steht. Hardware bringt außerdem Risiken mit, die es bei Software nicht gibt: Lieferkettenabhängigkeit, Bauteilverfügbarkeit, Produkthaftung, Gewährleistung.
Deshalb liegen Unternehmen mit hohem Hardwareanteil in der Regel unter reinen Softwareanbietern. Wo genau, entscheidet die Frage, was nach dem Verkauf des Geräts noch passiert.
Ein Unternehmen, das ein Gerät verkauft und danach nichts mehr, wird eher wie ein Industriebetrieb bewertet. Ein Unternehmen, das dasselbe Gerät verkauft und anschließend eine Plattform, Wartung, Verbrauchsmaterial oder Datenauswertung dazu liefert, kann deutlich höher liegen. Der Ertrag nach dem Verkauf ist der entscheidende Unterschied.
Vernetzte Geräte und industrielle Technik
Bei Unternehmen, die Geräte mit Anbindung an eine Plattform liefern, prüfen Käufer vor allem, wie stark die beiden Teile miteinander verbunden sind.
Positiv wirken: eine Plattform, die ohne das eigene Gerät nicht funktioniert und umgekehrt, laufende Erträge aus Betrieb, Datenübertragung oder Auswertung, eine große installierte Basis, die betreut wird, und Kunden, die ihre Prozesse auf das System ausgerichtet haben.
Kritisch gesehen werden: Geräte, die austauschbar sind, eine Plattform, die auch mit fremder Hardware funktioniert und damit keinen Vorteil sichert, sowie ein Ertrag, der ausschließlich aus dem einmaligen Geräteverkauf stammt.
Ein praktischer Hinweis: Viele Unternehmen in diesem Bereich erwirtschaften erhebliche laufende Erträge aus Betreuung, Datenverbindungen oder Ersatzteilen, weisen sie aber nicht getrennt aus. Diese Trennung sichtbar zu machen, ist einer der wirksamsten Schritte vor einem Verkauf.
Medizintechnik
Der Markt für Medizintechnik konsolidiert seit Jahren. Große Anbieter kaufen gezielt innovative Spezialisten zu, kleinere Unternehmen erhalten über eine Übernahme Zugang zu Kapital und internationalen Vertriebswegen.
Die Bewertungen liegen breit gestreut. Kleinere profitable Anbieter bewegen sich häufig im Bereich von etwa 5,5 bis 7 auf das bereinigte Ergebnis. Mittelgroße Unternehmen mit solidem Wachstum erreichen oft den hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich. Besonders innovative oder strategisch wichtige Ziele können bei strategischen Übernahmen darüber liegen, das sind allerdings Einzelfälle und nur bei außergewöhnlicher Technologie zu beobachten.
Die Kriterien, auf die es in diesem Sektor ankommt:
Wiederkehrende Erträge aus Serviceverträgen oder Verbrauchsmaterial. In der Medizintechnik oft der größere Teil des Lebenszyklusertrags.
Zulassung und Erstattung. Vorhandene behördliche Zulassungen und die Frage, ob die Kosten von Kostenträgern übernommen werden. Beides ist ein eigenständiger Wert, weil es Zeit und Geld gekostet hat und einen Marktzugang sichert.
Kundenstruktur. Breite Basis statt Abhängigkeit von einzelnen Häusern oder Einkaufsverbünden.
Internationale Skalierbarkeit von Produkt, Fertigung und Vertrieb.
Klumpenrisiken bei einzelnen Lieferanten oder Schlüsseltechnologien.
Nachhaltigkeit der Marge, ohne einmalige Sondereffekte.
Der regulatorische Aufwand nach der europäischen Medizinprodukteverordnung ist für kleinere Anbieter zu einer erheblichen Belastung geworden. Für den Verkauf hat das zwei Seiten: Er erhöht die Kosten, schafft aber auch eine Eintrittshürde, die bestehende Zulassungen wertvoller macht.
Digital Signage und Spezialhardware
Bei Anbietern von Bildschirmsystemen, LED-Technik und ähnlicher Spezialhardware entscheidet die Frage, ob das Geschäft projektgetrieben ist oder ob eine laufende Betreuung folgt.
Reines Projektgeschäft, bei dem eine Installation geliefert und danach kaum noch etwas verdient wird, wird konservativ bewertet, weil der Auftragseingang schwankt und jedes Jahr neu erarbeitet werden muss. Wo dagegen Softwarelizenzen für die Inhaltssteuerung, Wartungsverträge, Fernüberwachung und regelmäßiger Austausch von Komponenten dazukommen, entsteht eine wiederkehrende Basis, die den Faktor deutlich hebt.
Käufer prüfen hier besonders: Wie hoch ist der Anteil des laufenden Geschäfts an installierten Systemen? Wie lange laufen Rahmenverträge mit größeren Kunden? Wie abhängig ist das Unternehmen von einzelnen Herstellern in der Beschaffung?
Schutzrechte und Entwicklungsabhängigkeit
In allen drei Segmenten prüfen Käufer besonders sorgfältig, ob das Unternehmen tatsächlich besitzt, was es verkauft.
Typische Fragen: Sind Patente auf die Gesellschaft eingetragen oder auf Gründer persönlich? Wurden Teile der Entwicklung von externen Büros erbracht, und wurden die Rechte wirksam übertragen? Bestehen Lizenzen an fremder Technologie, und sind sie bei einem Eigentümerwechsel übertragbar? Hängt die Weiterentwicklung an einzelnen Personen, und sind deren Verträge und Wettbewerbsverbote geregelt?
Der letzte Punkt wiegt in technologienahen Unternehmen besonders schwer. Ein Entwicklungsleiter, der geht, kann mehr Wert vernichten als eine schwache Quartalszahl.
Lieferkette und Bauteile
Seit den Lieferengpässen der vergangenen Jahre gehört die Beschaffungsseite zu den Standardthemen jeder Prüfung. Untersucht werden Einzelbezugsquellen ohne Alternative, Verfügbarkeit kritischer Bauteile über mehrere Jahre, Abhängigkeit von einzelnen Regionen, Reichweite der Lagerbestände sowie Preisgleitklauseln in Kundenverträgen.
Ein Unternehmen, das für seine kritischen Komponenten qualifizierte Zweitlieferanten nachweisen kann, hat hier einen messbaren Vorteil.
Wer kauft
Industrielle Strategen, die eine Technologie, eine Zulassung oder einen Marktzugang ergänzen wollen. In der Medizintechnik der dominierende Käufertyp, häufig international.
Auf Technologie spezialisierte Beteiligungsgesellschaften, die Hardware- und Softwareanteile getrennt bewerten und die Verbindung beider verstehen.
Internationale Käufer. Deutschsprachige Technologieunternehmen mit Schutzrechten und Fertigungskompetenz sind aus dem Ausland regelmäßig gesucht. Bei Käufern von außerhalb der EU kann eine außenwirtschaftsrechtliche Prüfung hinzukommen, die den Zeitplan verlängert.
Häufige Fragen
Wir haben viel Hardware. Sind wir für Investoren uninteressant? Nein. Entscheidend ist, was nach dem Verkauf des Geräts noch verdient wird. Wer laufende Erträge nachweisen kann, wird deutlich über dem Niveau eines reinen Herstellers bewertet.
Wie werden laufende Entwicklungsprojekte bewertet? Zurückhaltend, solange sie keinen Umsatz erzeugen. Ein Käufer zahlt für belegbare Erträge, nicht für Ideen. Ausnahme sind strategische Käufer, für die eine Technologie den eigentlichen Kaufgrund darstellt.
Was, wenn wir stark von einem Großkunden abhängen? Das schränkt den Käuferkreis ein, schließt einen Verkauf aber nicht aus. Wichtig ist, die Beziehung zu dokumentieren: Laufzeiten, technische Verzahnung, Wechselkosten für den Kunden.
Ist unsere Zulassung übertragbar? Bei einem Anteilskauf bleibt sie in der Regel bei der Gesellschaft und damit erhalten. Bei einem Kauf einzelner Wirtschaftsgüter ist das aufwendiger und muss früh geprüft werden. Einer der Gründe, warum in diesem Sektor meist Anteile verkauft werden.
Nächster Schritt
Eine erste Wertspanne bekommen Sie in zwei Minuten im Rechner. Für alles Weitere reicht ein Gespräch.




